"Schwein gehabt"

So übertitelte unlängst eine weitverbreitete österreichische Tageszeitung einen Beitrag über den Schweinestall der Lehranstalt. Die Ansage sollte vermitteln, dass es die Schweine, die an der Lehranstalt gehalten werden, besonders gut haben.
An der Lehranstalt Rotholz werden seit 1927 Schweine gehalten und die Geschichte unseres Stalles ist eine wahrhaft bewegte. Durch die unmittelbare Nähe zur organisierten Schweinezucht war unser Betrieb auch immer in die aktuellen Entwicklungen mit einbezogen. Sei es etwa beim Versuch, die robusten Hampshire nach Tirol einzuführen oder bei der Entwicklung von besonderen
Speckschweinen in Zusammenarbeit mit der Firma Handl. In den 90iger Jahren befassten wir uns ziemlich intensiv mit der Zucht von Landrasse Jungsauen, die durch Robustheit und gute Fleischqualität hervorstachen. Seit der Umstellung auf Bio im Jahr 1997 bemühen wir uns um die Erzeugung gutveranlagter Ferkel für die Tiroler Biobauern und von Mastschweinen mit besonderer Fleischqualität.
Mit BIO sind in der Tierhaltung vor allem 2 Herausforderungen verbunden. Erstens müssen ab 2012 alle eingesetzten Futtermittel biologischer Herkunft sein, derzeit sind es 95%. Zweitens müssen alle Schweine Zugang zu freiem Auslauf haben.
Wie sehen nun unsere Lösungen aus:
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Den Abferkelbereich haben wir erst im Jahr 2009 erneuert. Zunächst ferkeln unsere Muttersauen in Einzelbuchten ab, wo sie sich in den ersten 10 Tagen zusammengewöhnen können, die Ferkel mit Eisen versorgt und geimpft sowie die männliche kastriert werden. Nach etwa 14 Tagen kommen dann 2, 3 oder 4 Sauen mit ihren Ferkeln in sog Familienbuchten zusammen, wo sie dann zumindest bis zum 40. Lebenstag bleiben. Das hat große Vorteile für die säugenden Sauen, die sich in diesen Buchten optimal bewegen können und die Ferkel, die gemeinsam sehr rasch zur Futter- und Wasseraufnahme kommen.
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Die trächtigen Muttersauen leben in Gruppen von 3 bis 8 Sauen, wobei jede ihren eigenen Fressplatz in einem Kastenstand hat, wo sie eingesperrt behandelt oder besamt werden kann, dahinter ist ein eingestreuter Liegeplatz angeordnet, den die Sauen sehr schätzen, von dort gibt es Zugang zu einem Auslauf ins Freie.
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Besonders gut gelungen scheint uns der neue Aufzuchtstall für 140 Mastschweine oder Zuchtläufer. Dabei wurde die Stallfläche unterteilt in einen isolierten Innenbereich mit Fütterung und einen etwa ebenso großen überdachten Außenklimabereich, der über den Auslauf erreicht wird. Die Tiere halten den Liegeplatz erstaunlich sauber, dadurch herrscht gute Luft im Stall, der Aufenthalt im Freien ist für die Gesundheit der Tiere sehr förderlich. Auch für die Ferkel wurde ein sehr tierfreundlicher Stall eingerichtet mit geheizten Liegekisten, geeigneten Futtereinrichtungen, genügend Kotplatz und Auslauf ins Freie.
Eine ziemliche Herausforderung stellt die Fütterung der Schweine nach den BIO Richtlinien dar. Als Grundfutter haben wir im Herbst Futterkartoffeln zur Verfügung, im Winter und Frühjahr setzen wir dann die Maiskornsilage von unseren Feldern ein, beides ergänzt durch ein relativ eiweißreiches Ergänzungsfutter, das wir zum größten Teil zukaufen müssen. Am schwierigsten erscheint die ausreichende Versorgung der Muttersauen in den ersten 3 Wochen nach dem Abferkeln und der Ferkel, die natürlich ein sehr hochwertiges Futter brauchen.
Was wird im Schweinestall der Lehranstalt erzeugt und von dort verkauft?
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450 Bioferkel aus der Kreuzung Deutsche Landrasse X Pietrain
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80 Schlachtschweine für die eigenen Lehrküchen und den praktischen Unterricht
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120 Mastschweine an die Biometzgerei Anton Juffinger
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Zuchtläufer, Speckschweine, Wurstsauen an diverse Kunden
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Schweinefleisch küchenfertig an die Hausfrauen der Umgebung.
Sehr wichtig ist die Aufgabe unseres Schweinestalles für einen effizienten praktischen Unterricht in der Tierhaltung. Jeder Schüler des zweiten Jahrgangs der Fachschule macht eine Woche lang während der Abendfutterzeit alle Arbeiten mit, die für einen solchen Betrieb eben notwendig sind. Dazu gehört das Herrichten der Futtermittel, das richtige Füttern, aber auch alle Tätigkeiten rund um das Abferkeln der Sauen. Auch die Schülerinnen der FSH erleben in einer Praxiseinheit, was in einem Stall passiert und helfen meist begeistert von der Lebendigkeit unserer Schweine fleißig mit. Schließlich kommen während der Mobilitätswoche für die zweiten Jahrgänge auch noch die interessierten Schüler der anderen Lehranstalten zu uns, um Schweinehaltung kombiniert mit traditioneller Speckerzeugung zu studieren.

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist auch, dass wir unseren Stall für Besichtigungen durch andere Schulen oder Exkursionen der Verbände zur Verfügung stellen. Da ist es besonders wichtig, dass wir eine sehr tierartgerechte Schweinehaltung zeigen können, die aber durchaus auch hohe Leistungen der Tiere ermöglicht.